Bebauung des Güterbahnhof-Areals: „Planungen wie es gerade mal so passt?“

Im Jahr 2009, also vor mittlerweile 11 Jahren, hat die Stadt Lippstadt von der Bundesbahn das nicht mehr benötige Güterbahnhofsareal gekauft. Mit dem Ziel, diese Industriebrache zügig in ein attraktives Stück Lippstadt umzuwandeln!

Anschließend gab es einen Planungsausflug, dort ein großzügiges Einkaufscenter mit imposanter Erweiterung der Fußgängerzone zu bauen. Jedoch kam schnell die große und sehr realistische Einschätzung und Ernüchterung, dass mit dieser erheblichen Verkaufsflächenerweiterung der vorhandenen Einkaufsmeile rund um die Lange Straße eher Schaden als Nutzen zugeführt werden würde. Nur Geschäftsverlagerungen ohne ausreichend zahleiche Neuansiedlungen durchzuführen, macht eine Stadt nicht attraktiver. Das Projekt wurde zurückgezogen.

In zeitlicher Folge wurde der ursprüngliche Kerngedanke wieder aufgenommen, am „alten Güterbahnhof“ einen Lebensmittelmarkt für die Versorgung der Innenstadtbewohner anzusiedeln, eine dringend benötige Parkplatzfläche für die Mitarbeiter und Besucher des Krankenhauses zu schaffen und für die verbleibenden Flächen eine Planungsgrundlage für Büro und Geschäftshäuser auf den Weg zu bringen. Ein mischgenutztes Quartier. Und dafür gab es allgemeine Zustimmung. Und es sollte zeitnah gestartet werden, da nur bis 2017, so kündigte die Verwaltung seiner Zeit an, die Städtebaufördermittel zur Verfügung ständen. Bürgermeister Sommer legte 2014 das klare Ziel fest, erst einmal zügig die neue Straße, also die „Verlängerung der Jakob-Koenen-Straße“ (sie hieß zu der Zeit noch Bahnhofstraße), als neue Hauptverbindung bis zur Klosterstraße durchzubauen. Als realistischer Baubeginn wurde 2015 genannt.

Nun aber bekam das Gebiet überraschend einen neuen Schwerpunkt: Die Stadtverwaltung hatte das Gelände als „ihre neue Heimat“ für ein Verwaltungsgebäude entdeckt. Diese Idee an sich ist grundsätzlich nicht verwerflich, muss Stadtplanung immer auch eine ordentliche Portion neuer Ideen haben. In der Bebauung angepasst an die historische Altstadt, sicherlich ein interessanter Gedanke. Schließlich steht das jetzige Stadtverwaltungsgebäude zur Renovierung bzw. Vergrößerung an. Grundsätzlich also (fast) nur eine Kostenfrage.

Mittlerweile hat die BG-Fraktion aber den starken Eindruck, dass die Verwaltung die Planungsschwerpunkte für das Güterbahnhofsareal wohl eindeutig zu Ihren Gunsten steuert und die Eckpunkte wohl etwas aus dem Ruder laufen. War noch vor einiger Zeit der Köder ausgelegt, es könne ein Stadthaus dort entstehen und die Kosten wären selbstverständlich die Hürde, so geht es der Verwaltung offensichtlich jetzt nur noch um den Feinschliff der

Bauplanung vor den Kommunalwahlen. Der Stadtentwicklungsausschuss soll nur noch ja sagen. Zu einem kompromisslosen 44 Millionen-Büroneubau. Und den SEA-Ausschussmitgliedern wurde am 28.05. dann mal schnell die Umplanung für ein Stadthaus-Parkhaus als „optischer Bebauungsriegel“ in Richtung der historischen Altstadt präsentiert. Das gesamte Areal erweckt für die BG mittlerweile den Eindruck: „Stadthaus mit Nebenumfeld“. Und die neue und erforderliche Durchgangsstraße gibt es nach Informationen aus der Verwaltung nun auch erst, wenn die Gebäude geplant sind.

Die BG ist ganz eindeutig für eine Bebauung des alten Güterbahnhofsgeländes und somit der Beseitigung der Industriebrachflächen, ist aber mit der jetzigen Planung nicht einverstanden:

Für alle privaten Bauprojekte in der historischen Altstadt gelten die Lippstädter Gestaltungsvorschriften. Warum sind sie für das Stadthaus, Parkhaus usw. außer Kraft gesetzt worden?

In naher Nachbarschaft zum (erweiterbaren) Parkhausneubau für das Krankenhaus und in Sichtweite der schon vorhandenen Parkhäuser Südertor-Ost und -West (nicht überfüllt…) soll für die Verwaltungsbediensteten das 4.(!) Parkhaus gebaut werden? Die neu aufgestellten Bepflanzungsvorschriften für die privaten Vorgärten in unserer Stadt werden in diesem Areal nicht annähernd als Maßstab eingehalten. Reines „Planungs- Randgrün“? Im nördlichen Bereich wird die jetzige Grünfläche vor dem Depot sogar reduziert!

Es sind Fußgängerampeln neben dem Stadthaus eingeplant, in der Cappelstraße und Woldemei haben wir sie gerade demontiert!

Bauliche Anpassung an den Klimawandel und die Nachhaltigkeitsbewertung: Die Gestaltung der über Etagen laufenden Eingangshalle mit Rezeption und der riesigen Glasfensterflächen erzeugen „sparunwillige“ gewaltige Unterhaltskosten.

Die Anpassung an die aktuell stark veränderten Arbeitsbedingungen durch vermehrtes Homeoffice und die Digitalisierung haben nach Meinung der BG zu wenig Planungseinfluss gehabt.

Die Kosten für das so kraftvoll vorangetriebene Stadthaus sind grob geschätzt, sollen erst im kommenden Jahr exakter werden.

Die neu geplante Bebauung der nördlich an das Stadthaus gelegenen Wohnhäuser (O-Ton: „Stadthaus-Boulevard“) „verstecken“ sich hinter dem 4-Etagen-Verwaltungs- und Parkhausbau. Wohnqualität?

Es gibt noch einige solcher „Planungsunzufriedenheiten“, die Liste würde aber den Pressemeldungsrahmen überschreiten.

Die BG hält die Planungen für nicht ausgewogen und zustimmungsfähig und wird auch im nun kurzfristig einberufenen Sonder-Stadtentwicklungsausschuss gegen die jetzt geplante Arealbebauung stimmen.

Mit freundlichen Grüßen

gez.
Hans-Dieter Marche


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